Maikäfer u. Glücksmaikäfer                        

Sie erscheinen immer pünktlich zum Wonnemonat und sind dann bald wieder verschwunden – die Maikäfer. Sie schwirren etwa 3-5 Wochen umher, um sich dabei von Blättern zu ernähren. Danach sterben sie, und zwar im Alter von bis zu 5 Jahren. Nein - kein Tippfehler. Je nach Klimabedingung verbringt der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) 2-3 Jahre, der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) sogar 3-5 Jahre als Engerling unter der Erde. Dort ernähren sie sich von Wurzeln und können erheblichen Schaden anrichten, weswegen man sie schon fast ausgerottet hatte.  Eine der drei Arten in Mitteleuropa, Melolontha pectoralis  ist immer noch vom Aussterben bedroht. Er ist so selten, daß er nicht einmal eine deutsche Bezeichnung hat. Deswegen schlage ich mal wegen seiner Seltenheit „Glücksmaikäfer“ vor.

Der Maikäfer kann gut riechen. Schon als Engerling findet er in der Dunkelheit des Erdbodens Wurzeln, weil er Spuren von Kohlensäure, die von den Wurzeln ausgeschieden wird, wahrnemen kann.

 Die fächerartigen Lamellen an den Fühlern der erwachsenen Tiere sind mit Geruchssensoren übersäht. Maikäfer finden so immer wieder zu ihren Futterplätzen zurück, das Männchen kann mit seinen 7 Lamellen (das Weibchen hat nur 6) ein Weibchen im Umkreis von über 100m wahrnehmen. Je nach Laune zeigen sich die Fühler dem Beobachter in verschiedenen Formen: Das Tier kann die Lamellen auf- und zufächern, und bei gänzlichem Unbehagen die Fühler zum Schutz nach unten anklappen.

 

 

 

 

 

 

7 Lamellen - also ein männliches Exemplar

Einen Maikäfer nach seiner Art zu identifizieren ist ein etwas schwieriges Unterfangen. Schon die Varianten bestimmter Merkmale innerhalb einer Art sind sehr unterschiedlich. Was heute Pokemon-Karten sind waren früher „Kaiser, Müller und Schornsteinfeger“. So nannten Kinder in Zeiten ohne Fernseher die verschiedenen Variationen einer einzigen Art und tauschten sie untereinander. Der „Müller“ ist weiß behaart, der Schornsteinfeger hat kaum Haare und ist sehr dunkel gefärbt und der Kaiser (am begehrtesten, da selten) ist rötlich an Kopf und Brust. Den Kindern gefiel wohl vor allem, darüber zu fachsimpeln, ob ein Exemplar z.B. eher ein Müller war oder doch schon mehr in Richtung Schornsteinfeger ging, und wieviele Müller wohl ein Kaiser wert war.

Da solche Merkmale in ihren Ausprägungen sanft in ein Merkmal der nächsten Art überlaufen können, müssen bei der Identifizierung gleich mehrere Merkmale (Größe, Form und Hinterteil) zusammen berücksichtigt werden.  Wer keine biologische Expertise anfertigen will, sondern nur „mit ziemlicher Sicherheit“ die Art identifizieren will, der sieht sich am besten das Hinterteil des Maikäfers genauer an. Je nach Art ist es unterschiedlich lang. Das längste Hinterteil hat der Feldmaikäfer gefolgt vom Waldmaikäfer und das des Glücksmaikäfers ist manchmal so kurz, daß es so gut wie garnicht unter den Flügeln hervorragt.

die Umrisslinien der 3 Arten
rot: Glücksmaikäfer (Melolontha pectoralis)
grün: Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
original: Feldmaikäfer (Melolontha melolontha)

Geschichtliche Überlieferungen zeigen, daß der Maikäfer immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen wurde. Sieht man sich die sogenannten „Maikäferjahre“ an, so kann man sein vermehrtes Auftreten in einem gleichbleibendem Rhythmus von 3 oder 4 Jahren beobachten. Etwa alle 30 Jahre kommt es immer wieder zu einem Auftreten in außergewöhnlich riesigen Schwärmen. Die noch frischen Triebe von Eichen sind dann besonders gefährdet. Nur selten, wenn es sein muß, fressen Maikäfer auch Triebe von Nadelbäumen. Viel problematischer sind aber die Jahre vor einem „Maikäferjahr“. Bis zu 90 Engerlinge pro m² Erdboden vernichten dann ganze Ernten, und dabei können schon 3 Engerlinge pro m² problematisch für die Forst-und Landwirtschaft sein.

Wie hilflos man früher einer solchen Plage gegenüberstand, zeigt das folgende Beispiel: Im Jahre 1320 verklagte man in Avignon die Maikäfer vor einem Kirchengericht. Das Urteil: Sie sollten sich binnen 3 Tagen auf einem eigens beschilderten Feld einfinden, das sogar genügend Nahrung bot. Nachdem aber die meisten Maikäfer wohl aus mangelndem Respekt vor dem hohen Gericht oder ungenügenden Lesekenntnissen die Frist trotz all der Schilder untätig verstreichen ließen, machte man ihnen durch Absammeln den Garaus. Mit Menschen wurde in damaligen Gerichtsurteilen viel weniger zimperlich umgegangen;  so läßt sich erahnen, daß der Maikäfer schon immer ein Schädling mit positivem Image war. Das liegt wohl an der Jahreszeit und der Kürze seines Auftretens. Meistens ist er ja sehr rar, so daß man sich doch im Frühjahr neben den endlich wieder wärmeren Temperaturen, dem schon sanften Grün der Natur auch über sein Erscheinen erfreuen kann. 

Und wenn man ihn in einem Mai mal nicht in Natura sichtet, gibt es ihn jährlich in Schokoladenform. Diese Tradition allerdings hat einen realen Hintergrund: Im Jahre 1925 las man in der Fuldaer Zeitung: »Unsere Studenten essen die Maikäfer ganz roh, ganz wie sie sind und nicht wenige ohne den geringsten Nachteil. In vielen Konditoreien sind sie verzuckert zu haben, und man ißt sie kandiert in Tafeln zum Nachtisch.« Von Frankreich bis nach Hessen ließ man sich sogar Maikäfersuppe schmecken. Das Rezept: »zwei Hand voll Maikäfer entfügelt und entbeint in Butter rösten und in Hühnerbrühe mit Kalbsleberstücken kochen. Die Suppe mit gerösteten Brötchenscheiben und Schnittlauch servieren.«

 

 

Bitte nicht nachkochen !

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